Mit dem Haushalt hat mans eilig

Symbolfoto Abwassergebühren Haushalt
Die letzte Sitzung des alten Gräfenberger Stadtrats hatte es noch einmal in sich. Zwar saß nur ein einziger Zuhörer im Saal, politisch war der Abend aber alles andere als ereignislos.
Im Vorfeld war bereits die Information der Öffentlichkeit über die Sitzung eher unerquicklich verlaufen, was angesichts eines Haushaltsbeschlusses dieser Größenordnung umso schwerer wiegt.
Vor allem beim Haushalt stellte sich die Frage, ob ein Werk mit einem Volumen von rund 19,6 Millionen Euro wirklich noch unter Zeitdruck, ohne ausführliche Vorstellung und Beratung beschlossen werden sollte. Zumal noch die ausscheidenden Stadträte (von diesen waren drei anwesend) verabschiedet werden sollten und andere Tagesordnungspunkte (13 Stück) auch noch abzuarbeiten waren. Um spätestens 21 Uhr sollte es zum Essen ins Bräustüberl gehen, dort hatte man reserviert.
Matthias Striebich hatte dann sogleich einen Einwand zur Tagesordnung: Die Behandlung des Haushaltes sollte abgesetzt werden. Auch Martin Leipert stimmte dem zu, in einen Haushalt mit diesem Volumen wolle er sich auch angemessen einarbeiten können, das sah er als nicht gegeben an, da der Haushalt nie ordentlich vorberaten wurde. Der Antrag auf Absetzung wurde jedoch von der CSU und FW Mehrheit mit 6:9 abgelehnt.

Bekanntgaben

Zu Beginn wurden die Niederschriften der Sitzungen vom 12. Februar und 12. März behandelt. Die zweite Niederschrift wurde in einem Punkt korrigiert: Eine fehlerhaft enthaltene Information zur Dorferneuerung Kasberg wurde gestrichen.
Bekanntgaben gab es Folgende: Der Vollzug einer Markierungsmaßnahme in der Bahnhofsstraße wird ausgesetzt, solange der betroffene Eigentümer das Überfahren seines Grundstücks weiter duldet. Außerdem muss bei der Badewasser- und Elektrotechnik des Freibads erneut ausgeschrieben werden. Hinzu kam der Hinweis auf den Stadtfeuerwehrtag am 9. und 10. Mai in Haidhof.
Matthias Striebich mahnte bei diesem Punkt einen sensiblen Umgang mit personenbezogenen Daten an. Hintergrund waren frühere namentliche Nennungen und persönliche (Ab-)Wertungen gegenüber dem Grundstückseigner in der Bahnhofsstraße in öffentlicher Sitzung durch 2. Bürgermeister Derbfuß.

Bauanfragen: Ein Punkt abgesetzt, ein Punkt mit Auflage

Die formlose Bauvoranfrage für Höfles (Umbau eines Ferienhauses zur dauerhaften Vermietung als Ferienhaus) wurde noch vor der Behandlung von der Tagesordnung genommen. Seitens der Antragsteller bestand kein weiteres Interesse.
Bei einer Nutzungsänderung in der Bergstraße ging es um einen Kellerhobbyraum, der künftig gewerblich für kosmetische Fuß- und Nagelpflege genutzt werden soll. Für dieses Vorhaben ist der Nachweiß von zwei Stellplätzen nötig (Berechnung nach m² Gewerbefläche). Ein nachgewiesener Stellplatz befindet sich jedoch auf einem anderen Grundstück. Unter Bedingung der rechtlichen Sicherung (also eines Nutzungsvertrages) zu diesem Stellplatz erteilte der Stadtrat sein Einvernehmen zu dem Vorhaben.

Wärmeplan beschlossen, aber offene Fragen bleiben

Erneut auf der Tagesordnung stand der kommunale Wärmeplan für die Energieregion „Südliche Fränkische Schweiz“. Nach öffentlicher Auslegung und eingegangenen Stellungnahmen musste der Plan noch einmal beschlossen werden.
Aus der Bürgerschaft kam unter anderem der Wunsch nach stärkerer Einbindung sowie nach einer Prüfung, ob Abwärme aus den Steinbrüchen oder aus Betrieben vor Ort besser genutzt werden könnte. Zum Beispiel zur Beheizung des Freibades. Laut Verwaltung sind solche Punkte jedoch teilweise (die Teilnetze waren zu klein) nicht Bestandteil des formellen Wärmeplans, etwa wenn es sich eher um ein lokales Gebäudenetz als um eine übergeordnete Wärmeplanung handelt.
Matthias Striebich wies darauf hin, dass das Thema Abwärme nicht einfach beiseitegeschoben werden dürfe. Mehrere Firmen hätten durchaus ein Interesse an der Nutzung eigener Abwärme. Dass diese Potenziale in der Praxis schwer zu heben sind, heißt nicht, dass sie politisch uninteressant wären. Auch Werner Wolf hielt fest, dass Ideen dadurch nicht erledigt seien, nur weil sie nicht im jetzigen Plantext auftauchen.
Am Ende wurde der Wärmeplan einstimmig beschlossen. Damit hat die Stadt ein Grundlage, die in ein paar Jahren fortgeschrieben werden kann. Als Einziges Versorgungsgebiet ist das Gebiet des Nahwärmenetzes im Stadtkern enthalten.
Eine Inititative dieses weiter voranzutreiben wäre schön und für die Stadt wichtig. Nicht nur macht es die Sanierung von Gebäuden im Altstadtbereich attraktiv. Auch erlaubt es eine klimafreundliche und deutlich kostengünstigere Beheizung von Bürgerhaus, altem Rathaus und Verwaltung. Letztere wird nach wie vor durch eine ineffiziente Ölheizung aus den 1980ern beheizt.

Jahresrechnung 2025: Gute Zahlen, aber vor allem dank Gewerbesteuer

Kämmerer Steinlein stellte das vorläufige Ergebnis der Jahresrechnung 2025 vor. Das Bild ist auf den ersten Blick erfreulich. 2025 war geprägt von außerordentlich guten Rahmenbedingungen, insbesondere durch hohe Gewerbesteuereinnahmen aus dem Bereich der Energieversorgung, genauer gesagt der Solarparks. Die Zuführung zum Vermögenshaushalt lag bei 1,584 Millionen Euro. Die Mindestzuführung wurde überschritten, die Personalausgaben fielen geringer aus als geplant.
Ganz so rosig ist die Lage bei genauerem Hinsehen allerdings nicht. Ein Teil der Gewerbesteuer ist noch gar nicht eingegangen, es bestehen weiterhin Stundungen, und etliche Maßnahmen konnten 2025 nicht abgeschlossen werden. Deshalb wurden neue Haushaltsreste (Ausgaben aus dem Vorhaushalt die erst im folgenden Jahr ausgegeben werden) in Höhe von rund 1,867 Millionen Euro gebildet. Auch rund 3 Millionen Euro an Bundesmitteln, insbesondere für die Sanierung des Freibades, sind in den Haushaltsresten abgestellt.
Der Schuldenstand liegt bei rund 4,3 Millionen Euro. Der Stadtrat nahm das Ergebnis einstimmig zur Kenntnis.

Haushalt 2026: Beschlossen, obwohl die Debatte eigentlich erst beginnen müsste

Der zentrale Punkt des Abends war der Haushalt 2026 samt mittelfristiger Finanzplanung bis 2029. Kämmerer Steinlein stellte ein Haushaltsvolumen von 19,6 Millionen Euro vor, davon 11,2 Millionen Euro im Verwaltungshaushalt und 8,35 Millionen Euro im Vermögenshaushalt.
Wurden im Wahlkampf von mancher Seite „Ortsteilbudgets“ versprochen, so war davon im Haushalt keine Rede mehr.
Die wichtigsten Eckdaten aus Vorbericht und Haushaltsvorstellung zeigen, dass der finanzielle Rahmen inzwischen enger geworden ist:
 
Bereich Kennzahl Ansatz / Angabe
Gesamt Haushaltsvolumen 19,6 Mio. Euro
Verwaltungshaushalt Volumen 11,2 Mio. Euro
Vermögenshaushalt Volumen 8,35 Mio. Euro
Verwaltungshaushalt Personalkostenansatz 1,749 Mio. Euro
Verwaltungshaushalt Einkommensteueranteil 3,129 Mio. Euro
Verwaltungshaushalt Grundsteuer A 14.000 Euro
Verwaltungshaushalt Grundsteuer B 833.000 Euro
Verwaltungshaushalt Schlüsselzuweisungen 1,2 Mio. Euro
Verwaltungshaushalt Kreisumlage 3,3 Mio. Euro
Verwaltungshaushalt VG-Umlage 1,133 Mio. Euro
Vermögenshaushalt Feuerwehren 195.000 Euro
Vermögenshaushalt Zuführung an den Verwaltungshaushalt rund 430.000 Euro
Vermögenshaushalt Förderanteil an Investitionen rund 70 %
 
Auffällig sind mehrere strukturelle Belastungen. Die Kreisumlage steigt weiter und kostet die Stadt in diesem Jahr rund 3,3 Millionen Euro. Auch die VG-Umlage erhöht sich. Gleichzeitig bleibt die Steuerkraft Gräfenbergs im Vergleich zu anderen Kommunen ähnlicher Größe eher schwach. Steinlein machte deutlich, dass der laufende Betrieb zunehmend unter Druck gerät und sich die Spielräume verengen. Über Jahre niedrige Steuerkraft führt zwar dazu, dass Gräfenberg grundsätzlich bedarfszuweisungsberechtigt ist. Darauf verlassen kann sich eine Kommune aber nicht, zumal die entsprechenden Töpfe ebenfalls kleiner werden. Kleiner wird auch die Schlüsselzuweisung, denn die Einwohnerzahl Gräfenbergs ist auf 4160 zurückgegangen.
 
Im Detail zeigte sich, wo die Konfliktlinien verlaufen. Große Summen fließen in die Kinderbetreuung: knapp 400.000 Euro Personalkosten in Thuisbrunn, rund 339.000 Euro im Haus der kleinen Hände, dazu erhebliche Zuschüsse für die freien Träger. Gleichzeitig müssen umfrangreichere Renovierungsmaßnahmen am Kindergarten Thuisbrunn erledigt werden. Im Haushalt waren 90.000 Euro für die Planung eines Kindergartens enthalten. Matthias Striebich schlug eine Umschichtung zugunsten von Spielplätzen vor. Konrad Hofmann wünschte, einen Teil der Position in die Instandhaltung des Thuisbrunner Kindergartens einzuplanen. Wie sich herausstellte, war der Planungspuffer für eine eventuelle Neuplanung der Containerkindergärten vorgesehen, sollte ein Umzug notwendig werden.
 
Martin Leipert plädierte dafür, einen Teil der Container durch einen Neubau zu ersetzen, auch die Bevölkerungsprognose gebe einen Teil als zukünftigen Bedarf her. Bürgermeister Kunzmann äußerte, dass er davon ausgehe, dass das Landratsamt den Containern eine weitere Betriebserlaubnis nicht verweigern würde. Martin Leipert wies darauf hin, dass die Container auf Dauer erheblich teurer seien als eine feste Einrichtung.
Beschlossen wurde eine Aufteilung der Mittel in 10.000 Euro für Spielplätze, 35.000 Euro für Thuisbrunn und 45.000 Euro als Planungspuffer. Im Ergebnis setzt die Stadt damit vorerst weiter auf eine mögliche Verstetigung der Containerlösung, statt die Grundsatzfrage einer dauerhaften baulichen Lösung entschieden anzugehen. Beim Freibad bleibt die Lage widersprüchlich: Zwar wurde betont, dass die Maßnahme gesichert sei. Andererseits steigen Planungs- und Bauunsicherheiten weiter, denn Ausschreibungen mussten aufgehoben werden. Hier wäre es an der Zeit, dass die Stadt einen aktuellen Zeitplan vorlegt, denn die Bundesfördermittel wurden nur bis Jahresende verlängert.
 

Haushaltsreden

 
Für die SPD stellte Martin Leipert voran, dass schon das Verfahren nicht überzeugt habe: Ein Haushalt mit knapp 19,6 Millionen Euro gehöre ordentlich und öffentlich beraten und nicht hastig abgehakt. Inhaltlich zeichnete die SPD ein ernstes Bild. Die freie Finanzspanne sei faktisch aufgebraucht, der laufende Betrieb müsse 2026 mit einer Zuführung aus dem Vermögenshaushalt von rund 430.000 Euro gestützt werden, und die Verschuldung werde spürbar steigen. Als Ursachen benannte die SPD die schwächelnde Konjunktur, die Verlagerung von Gewerbesteuer eines Weltkonzerns weg aus dem Landkreis Forchheim und die dadurch steigende Kreisumlage. Zugleich verwies sie darauf, dass sich zentrale Großprojekte seit Jahren schleppend entwickeln: die Dorferneuerung Walkersbrunn, der Ausbau der Ganztagsbetreuung und die Freibadsanierung. Positiv hob die SPD hervor, dass erneuerbare Energien die Haushaltslage bislang stabilisieren. Ohne die Solarparks sähe die finanzielle Situation deutlich schlechter aus. Entsprechend sprach sich die SPD dafür aus, den Ausbau erneuerbarer Energien weiter voranzutreiben, gleichzeitig aber endlich transparenter, langfristiger und mit mehr Kommunikation gegenüber dem Stadtrat zu arbeiten.
 
Matthias Striebich für die Grünen kritisierte, dass die öffentliche Beratung des Haushalts weitgehend ausgefallen ist, fordern mehr Transparenz und bürgerschaftliche Nachvollziehbarkeit. Inhaltlich befürworten sie die im Haushalt (seit Jahren) enthaltenen Projekte wie Freibadsanierung, Dorferneuerungen, Maßnahmen an Schulen und Kindergärten, mahnen aber stärkere Unterstützung von Bund und Land sowie eine konsequente Fortführung der Energiewende an. Kritik äußerte Matthias Striebich an Katherina Reiche, denn gerade Gräfenberg profitiere von der Energiewende.
 
Christoph Kasch für GBL dankte Kämmerer und Verwaltung für die Haushaltsaufstellung, erkennt die schwierige Haushaltslage an und betont gleichzeitig die Notwendigkeit gezielter Investitionen (Hallenbad, Kinderbetreuung, Energieprojekte) als Zukunftsinvestitionen. Mit dem Appell zu sparsamem, aber verantwortungsvollem Handeln erklärt die GBL ihre Zustimmung zu diesem Haushalt.
 
Für die Freien Wähler sprach Werner Wolf deutlich wohlwollender über den Etat und wollte diesen und das Wahlergebnis als Bestätigung der Arbeit der FW sehen. Er hielt den Haushalt trotz aller Zwänge für vertretbar, verwies auf die Belastungen durch die Kreisumlage und stellte die Investitionen in die Ganztagesschule sowie das Freibad als wichtige Zukunftsentscheidungen heraus. Auch für seine eigene Fraktion und Bürgermeister Kunzmann war er voll des Lobes. Und sah das Wahlergebnis als Bestätigung der „Arbeit von Bürgermeister und FW-Fraktion“. SPD und Grüne würden Erfolge des Bürgermeisters für sich reklamieren.
 
Auch aus der CSU kamen zustimmende Töne, wenngleich etwas nüchterner. Lars Laufer sprach von einem soliden und zukunftsorientierten Haushalt, machte aber ebenfalls deutlich, dass die kommenden Jahre schwieriger werden. Er verwies auf die veränderten Rahmenbedingungen im Landkreis, auf den hohen Anteil investiver Maßnahmen, die nur noch mit Fördermitteln tragfähig seien, und auf die „Zeitenwende“ in den kommunalen Finanzen. Dass die erneuerbaren Energien den Haushalt derzeit retten, wurde von ihm verneint. Zugleich meinte er, dass künftige Kreditaufnahmen und unangenehme Entscheidungen kaum zu vermeiden sein werden.
 
Beschlossen wurden am Ende die Finanzplanung mit einer Gegenstimme und die Haushaltssatzung einstimmig.
 
Es bleibt ein schaler Eindruck: Ein Etat mit so großer Tragweite hätte eine gründlichere öffentliche Beratung verdient. Durchgerutscht ist dabei: Die Bürgerapp war nicht im beschlossenen Haushalt nicht enthalten. Dabei würden diese 5000 € im Jahr der Verwaltung die Arbeit deutlich erleichtern. Das ist die Rückmeldung aus anderen Gemeinden.

Gehwege in Walkersbrunn und Satzungen für Michelsberg und Haidhof Süd

Einstimmig beschloss der Stadtrat die Kostenvereinbarung für die Objektplanung der Gehsteige entlang von Kreis- und Staatsstraße in Walkersbrunn. Damit wird ein Projekt weiter vorbereitet, dessen bauliche Umsetzung angesichts der Finanzlage wohl dennoch nicht kurzfristig bevorsteht.
 
Bei der Ergänzungssatzung Michelsberg bestätigte die Untere Naturschutzbehörde die Kritik, die bei der Beschlussfassung letztes Jahr aus den Reihen von Grünen und SPD geäußert wurde. Insbesondere hatte die Stadt kaum nachgeprüft ob Biotopflächen beeinträchtigt würden, die an das Vorhaben angrenzen. Matthias Striebich hielt ausdrücklich fest, dass mehrere Stellungnahmen die politischen Argumente gegen das Vorhaben eher bestätigten als entkräfteten. Der Satzungsbeschluss fiel dennoch mit 11:3 Stimmen.
 
Anschließend wurde auch die Ergänzungssatzung Haidhof Süd behandelt. Die einzelnen Stellungnahmen wurden abgearbeitet, der Satzungsbeschluss selbst fiel schließlich einstimmig. Ebenfalls einstimmig erfolgte die Widmung der Ortsstraße im Baugebiet Hohenschwärz.

Anfragen und ein schaler Abschied

Unter den Anfragen fragte Elisabeth Meinhardt nach dem neuen Vape-Automaten am Marktplatz. Nach Auskunft der Stadt ist die Denkmalschutzbehörde eingeschaltet, ein formeller Antrag liegt dort aber noch nicht vor. Auch eine notwendige Sondernutzungserlaubnis liegt nicht vor.
 
Zum Schluss wurden die ausscheidenden Stadtratsmitglieder verabschiedet. Frankiska Raum und Jakob Schuberth von den Freien Wählern hatten sich entschuldigen lassen. Konrad Hofmann verließ vor der Verabschiedung wortlos die Sitzung. Er war, trotz seines ausdrücklichen Wunsches, nicht wieder aufgestellt worden. Werner Wolf warf ihm im Nachhinein öffentlich vor, nicht zu den Fraktionssitzungen gekommen zu sein. Allerdings galt das offenkundig auch für fast alle Mitglieder der FW-Fraktion. Die Freien Wähler pflegten über Jahre eine enge Fraktionssprecherregelung, die den Mitgliedern eine eigene Meinungsäußerung praktisch untersagte. Nur Werner Wolf durfte sich im Stadtrat zu Wort melden, stets „im Namen der Fraktion“.
 
Daher wurden im Saal vor allem drei ausscheidende Stadträte verabschiedet. Erwin Bäcker gehörte dem Stadtrat bereits zwischen 2002 und 2008 an. Er hat sich  in den letzten Jahren eine konstante Stimme für Walkersbrunn und die Dorferneuerung verdient gemacht. Antje Rammensee saß seit 2014 im Gremium und war eng mit Themen aus dem ISEK, der Stadtentwicklung und der Organisation der 850-/650-Jahr-Feier verbunden; aus mehreren Wortmeldungen wurde deutlich, dass sie sich stets ortsteilübergreifend eingebracht hat. Martha Schmitt gehörte dem Stadtrat nur vergleichsweise kurz an, zumal sie ab Januar krankheitsbedingt ausgefallen war, sprach aber zum Abschied offen an, dass sie den Umgang im Gremium nicht immer als respektvoll empfunden habe.
 
Damit startet auch die neue Wahlperiode vorbelastet. Die finanziellen Spielräume bleiben eng, an einer offeneren, nachvollziehbaren Beratungskultur und weniger vollen Tagesordnungen führt kein Weg vorbei. Zu einem gemeinsamen Essen des Stadtrates kam es übrigens nicht mehr. Die Sitzung endete gegen 22 Uhr. Bürgermeister Kunzmann drängte auf ein schnelles Ende und schaute demonstrativ auf seine Uhr, aber der Stadtrat hat sich das Recht auf eine Debatte aber nicht nehmen lassen und das ist gut so! Den Tisch hat man abgesagt. Das gemeinsame Essen soll nachgeholt werden.